KI-Modelle und Plattformen
TIER IV treibt das Autoware-2.0-Ökosystem für KI-definierte Fahrzeuge voran

TIER IV gab am 2. November 2026 bekannt, dass das Unternehmen gemeinsam mit der Autoware Foundation und der globalen Open-Source-Community die Initiativen rund um Autoware 2.0 vorantreibt. Am selben Tag veröffentlichte die Foundation Version 2.0 der quelloffenen Software für autonomes Fahren, die neben bewährten regelbasierten Modulen nun auch End-to-End-KI- und hybride Fahr-Stacks unterstützt.
TIER IV bezeichnete Autoware 2.0 als bedeutende Weiterentwicklung der quelloffenen Software für autonomes Fahren. Die Unterstützung datenzentrierter, KI-basierter Ansätze werde ausgebaut, während die Kompatibilität mit herkömmlichen regelbasierten Ansätzen erhalten bleibe. Zu den zentralen Neuerungen zählen laut dem Unternehmen eine skalierbare und anpassungsfähige Architektur, die verschiedene Konfigurationen KI-basierter und regelbasierter Systeme unterstützt, ein flexibles Indexierungsschema für die modulare Softwareintegration sowie ein einsatzbereites Referenzdesign-Framework, das die kommerzielle Einführung in unterschiedlichen Fahrzeugen, Anwendungsbereichen und Betriebsumgebungen erleichtern soll.
„Autoware 2.0 ist ein wichtiger Schritt hin zur Demokratisierung des autonomen Fahrens im Zeitalter KI-definierter Fahrzeuge“, sagte Shinpei Kato, Gründer und CEO von TIER IV. „Open-Source-Software allein reicht nicht aus, um die Automobilindustrie zu verändern. Wir brauchen ein Ökosystem, das KI, Rechenplattformen, Cloud-Infrastruktur und Automobilsoftware zu praxisgerechten Lösungen verbindet.“
Initiativen mit Arm, AWS und Red Hat
Die Initiativen bauen auf den bestehenden Kooperationen von TIER IV mit Arm, AWS und Red Hat auf. Gemeinsam mit Arm treibt TIER IV die Entwicklung von Rechenplattformen für Autoware 2.0 voran, das als repräsentativer Anwendungsfall für Arm Total Design for Physical AI dient. Mit AWS entwickelt das Unternehmen cloudnative Entwicklungs- und Betriebsumgebungen für Autoware 2.0 weiter und knüpft dabei an die bestehende Nutzung der Cloud-Technologien von AWS an. Mit Red Hat arbeitet das Unternehmen an der Systemintegration von Autoware 2.0 mit AutoSD, dem quelloffenen Upstream-Projekt für Red Hat In-Vehicle Operating System.
TIER IV erklärte, das Unternehmen wolle mit diesen sich ergänzenden Initiativen das Technologie-Ökosystem stärken, das Autoware 2.0 unterstützt, und die Möglichkeiten für dessen Einführung und Kommerzialisierung in der gesamten Automobilindustrie ausbauen. Muhammad Zain Khawaja, Präsident der Autoware Foundation, sagte, TIER IV habe eine führende Rolle bei der Weiterentwicklung von Autoware gespielt und sein fortgesetztes Engagement für Open-Source-Entwicklung und die Zusammenarbeit mit der Industrie sei für das Wachstum des Ökosystems unverzichtbar.
Einblick in die Veröffentlichung von Autoware 2.0
Autoware war traditionell als modulare Pipeline für Sensorik, Wahrnehmung, Lokalisierung, Planung und Steuerung aufgebaut. Die Pakete waren dabei auf zwei Ebenen organisiert: Autoware Core, eine kuratierte Sammlung stabiler, gründlich getesteter Bibliotheken, APIs und Schnittstellen, die von der Foundation gepflegt wird, und Autoware Universe, das Core um zusätzliche Funktionen, experimentelle Algorithmen und Beiträge aus der Community erweitert. Autoware 2.0 baut auf dieser Architektur auf, statt sie zu ersetzen, und führt regelbasierte und KI-basierte Technologien in einer gemeinsamen Architektur zusammen.
Eine neue Generator-Auswahl-Architektur ermöglicht den parallelen Betrieb mehrerer Trajektoriengeneratoren innerhalb desselben Systems. Eine Auswahlkomponente bestimmt, welche Ausgabe verwendet wird. So können Entwickler regelbasierte Module, KI-Module oder eine hybride Kombination für ihren Anwendungsfall in einer einzigen Architektur zusammenführen. Die Veröffentlichung umfasst eine Dokumentation der neuen Architektur sowie eine Simulatordemonstration mit regelbasierten Modulen und verschiedenen End-to-End-Modulen.
Die Veröffentlichung ändert außerdem, wie KI-Modelle und Datensätze in eine Arbeitsumgebung eingebunden werden. Damit wird eine bisherige Einrichtung abgelöst, bei der jeder Modelldownload in einer zentralen Ansible-Datei definiert war. Die Organisation der Autoware Foundation auf Hugging Face ist nun der standardmäßige Speicherort für Foundation-Modelle und Datensätze, einschließlich Versionskontrolle. Manifeste können aber auch auf den ML-Server der Foundation, AWS S3 oder Server von Drittanbietern verweisen, sodass bereits vorhandene Artefakte während der Migration weiter funktionieren.
Ein neuer Autoware Index dient als Verzeichnis mit Links zu Autoware-kompatiblen Repositories und Referenzdesigns. Community-Mitglieder können dort ihre Pakete registrieren, und Nutzer können sie zentral auffinden. Mit dem Befehlszeilenwerkzeug Autoware Index CLI können Entwickler einzelne Pakete oder ein ganzes Referenzdesign samt Abhängigkeiten auswählen. Das Werkzeug schreibt diese in eine Datei namens autoware-index.repos im Arbeitsbereich. Mit dieser Veröffentlichung wurden fünf Universe-Pakete in eigene Repositories verschoben und die Tags neu geordnet, unter anderem in die Kategorien „ai“, „reference-design“ und „e2e“.
Das Autoware-Referenzdesign-Framework kombiniert ein Bereitstellungsprofil, das Fahrzeug- und Hardwarekonfiguration, Betriebsbedingungen und Anwendungsfall beschreibt, mit einem Referenzsoftware-Stack. Dieser bildet eine veröffentlichte Grundlage, die in einer konkreten Zusammenstellung aus Modulen, Modellversionen, Parametern, Schnittstellen und Plattformanforderungen resultiert. Zu den möglichen Stacks zählen regelbasierte Planung, ein End-to-End-Stack und ein hybrider Stack. Referenzdesigns werden Anwendungsfamilien wie Shuttles für niedrige Geschwindigkeiten, Autobahnassistenz und städtische Robotaxis zugeordnet. Jedes Design gibt seinen Status an und unterscheidet dabei zwischen vorgesehener Fähigkeit und nachgewiesenen Ergebnissen. Die Betriebsbereiche werden anhand der Terminologie von ASAM OpenODD beschrieben.
„Nutzer fragen uns oft, wie sie von der Autoware-Software zu einem vollständigen autonomen Fahrzeug gelangen können“, sagte Ryohsuke Mitsudome, Vorsitzender des TSC der Autoware Foundation. „Autoware 2.0 geht auf diese Frage ein und führt Autoware Reference Design ein – einen dokumentierten Bauplan für das gesamte System.“
Autoware 2.0 ist ab sofort auf GitHub verfügbar. Die Dokumentation findet sich unter docs.autoware.org, Pakete und Referenzdesigns lassen sich über den Autoware Index entdecken, und Basismodelle sind auf Hugging Face verfügbar.
Präsentation auf der ASSC US 2026
TIER IV wird gemeinsam mit Arm, AWS und Red Hat an der Automotive Software Strategies US 2026 teilnehmen, die für den 3.–4. November 2026 in San Jose, Kalifornien, geplant ist. Vertreter der vier Unternehmen werden voraussichtlich ihre jeweiligen Ansätze zur Weiterentwicklung von Automobilsoftwaretechnologien und Open-Source-Ökosystemen vorstellen. Christian John, Präsident von TIER IV North America, wird die Vision des Unternehmens vorstellen, die kommerzielle Einführung von Autoware 2.0 durch Open-Source-Zusammenarbeit und globale Technologiepartnerschaften zu beschleunigen.












