Partnerschaften
ADNOC unterzeichnet mehrjährigen Vertrag mit OpenAI und G42 zum Einsatz von Frontier-KI

ADNOC aus Abu Dhabi gab am 2. November 2026 auf der ADIPEC eine mehrjährige Partnerschaft mit OpenAI und G42 bekannt. Das Unternehmen erklärte, die Vereinbarung mache es zum ersten Energieunternehmen, das OpenAI Frontier einsetzt – eine Plattform, mit der sich fortschrittliche KI-Agenten in komplexen Geschäftsabläufen vernetzen und koordinieren lassen.
Scheich Khaled bin Mohamed bin Zayed Al Nahyan, Kronprinz von Abu Dhabi und Vorsitzender des Exekutivrats von Abu Dhabi, wohnte der Unterzeichnung der Vereinbarung bei. Die Partner werden gemeinsam eine maßgeschneiderte Lösung für intelligente Entscheidungsfindung entwickeln und einsetzen, die die Frontier-Modelle der neuesten Generation von OpenAI mit den proprietären Industriedaten und dem Fachwissen von ADNOC verbindet. Zum Einsatz kommt sie auf den GPT-Modellen von OpenAI und der souveränen KI-Infrastruktur von G42 in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Fachleute werden weiterhin wichtige Entscheidungen überwachen. Alle Lösungen werden zudem unter der Aufsicht von ADNOC betrieben, wodurch laut Unternehmen sichergestellt wird, dass proprietäre Daten und kritische Infrastruktur geschützt bleiben.
ADNOC zufolge wird Frontier die bestehenden KI-Systeme des Unternehmens ergänzen, darunter ENERGYai, seine spezialisierte Plattform für den Untergrund. Während diese Systeme Wissen über Lagerstätten, Anlagen und Betriebsabläufe aufbauen, soll die neue Lösung dieses Wissen im gesamten Unternehmen vernetzen, damit betriebliche, Investitions- und Geschäftsentscheidungen gemeinsam statt nacheinander getroffen werden können.
Zwei erste Anwendungsbereiche
Laut der Ankündigung wird sich die Partnerschaft zunächst auf zwei Anwendungsbereiche konzentrieren. Der erste soll die Masterplanung von Feldern grundlegend verändern: An die Stelle einer Abfolge einzelner Untersuchungen des Untergrunds, der Anlagen und der Wirtschaftlichkeit tritt eine integrierte Gesamtentscheidung. Aufbauend auf der Lagerstättenintelligenz von ENERGYai werden die fortschrittlichen Schlussfolgerungsmodelle von OpenAI jahrzehntelange Daten zu Tausenden von Bohrungen, mehreren übereinanderliegenden Lagerstätten und Hunderten von Übertageanlagen zusammenführen und dabei auch Investitions-, Kosten- und Geschäftsaspekte berücksichtigen. Nach Angaben von ADNOC lassen sich so Entwicklungs-Masterpläne für ganze Felder innerhalb von Stunden statt Monaten erstellen und optimieren. Dabei wird das gesamte Feld auf einmal optimiert und nicht jede Lagerstätte oder Anlage einzeln.
Der zweite Anwendungsbereich soll den Wert jedes Barrels Rohöl ermitteln, solange es noch im Boden liegt – laut ADNOC eine Premiere für ein Energieunternehmen. ADNOC zufolge werden vernetzte KI-Agenten kontinuierlich Angebot, Nachfrage, Preise und Margen für Rohöl prognostizieren, Auswirkungen vor ihrem Eintreten vorhersagen und die geschäftlichen sowie betrieblichen Folgen jeder Entscheidung als einen integrierten Prozess abwägen. Dieser umfasst Förderung, Verarbeitung, Raffination, Logistik, Vertrieb und Handel – Bereiche, in denen Entscheidungen derzeit häufig auf unterschiedlichen Systemen, Daten und Prioritäten beruhen, wie das Unternehmen erklärte.
Cybersicherheit, Belegschaft und bestehendes KI-Portfolio
ADNOC zufolge wird die Partnerschaft auch die Cyberabwehr des Unternehmens stärken – mithilfe von Daybreak Blue, einer Initiative von OpenAI, die Sicherheitsteams dabei unterstützt, Schwachstellen zu erkennen und kritische Energieinfrastruktur zu schützen. Außerdem werden die Partner gemeinsam KI-Lösungen entwickeln und die Belegschaft von ADNOC für deren Einsatz und Nutzung schulen. Diese Arbeit baut auf der Einführung von ChatGPT Enterprise für mehr als 40.000 Mitarbeitende von ADNOC auf. Das Unternehmen bezeichnet dies als den größten unternehmensweiten Einsatz von ChatGPT im Nahen Osten und in Nordafrika; die Nutzungsquote liegt bei über 97 %.
Die Vereinbarung ist Teil einer KI- und Robotikstrategie, die laut ADNOC bereits mehr als 200 KI-Anwendungen und 70 Robotik-Einsatzmöglichkeiten umfasst, die in den Bereichen Bohrungen, Förderung, Infrastruktur, Logistik und Schifffahrt eingeführt wurden oder sich in der Entwicklung befinden. Das Unternehmen verwies auf ENERGYai, das gemeinsam mit AIQ entwickelt wurde und agentische KI auf komplexe Arbeitsabläufe im Untergrund anwendet. Die Lösung basiert auf einem Modell mit 70 Milliarden Parametern, das anhand von mehr als 50 Jahren ADNOC-Daten trainiert wurde. Ebenfalls genannt wurde AiPSO, das Förderteams dabei hilft, Leistungsprobleme zu erkennen und zu beheben, bevor sie die Fördermenge beeinträchtigen. Hinzu kommt ein KI-gestütztes Echtzeit-Betriebszentrum, das mehr als 120 Bohranlagen in einer einzigen Live-Umgebung verbindet und den technischen Arbeitsaufwand nach Angaben des Unternehmens um 30–40 % verringert hat.
Aussagen der Führungskräfte
Dr. Sultan Ahmed Al Jaber, Minister für Industrie und Hochtechnologie der Vereinigten Arabischen Emirate sowie Geschäftsführer und CEO der ADNOC-Gruppe, sagte: „Als erstes Energieunternehmen, das OpenAI Frontier einsetzt, zeigen wir, wie Frontier-KI über einzelne Anwendungen hinausgehen und die Leistungsfähigkeit einer ganzen Branche neu gestalten kann.“ Er beschrieb den Einsatz als industrielle KI im großen Maßstab, die in Abu Dhabi Pionierarbeit leiste.
OpenAI-CEO Sam Altman bezeichnete die Vereinbarung als eine Partnerschaft ohne Beispiel, die Frontier-KI, souveräne Infrastruktur und Branchenexpertise zusammenführt. Sie werde ADNOC dabei helfen, schneller voranzukommen, effizienter zu arbeiten und entlang der gesamten Energiewertschöpfungskette bessere Entscheidungen zu treffen.
Mansoor Al Mansoori, CEO von G42 International, sagte, die Partnerschaft baue auf der langjährigen Zusammenarbeit mit ADNOC über AIQ auf und bringe das Ziel der Vereinigten Arabischen Emirate voran, zu einer KI-nativen Nation zu werden, die Intelligenz exportiert. „Was wir hier aufbauen, sollte das Energiesystem stärken, auf das die Welt angewiesen ist, und Menschen weit über unsere Grenzen hinaus zugutekommen“, sagte er.












