KI-Modelle und Plattformen
Google plant neue Rechenzentrumskomplexe in Malaysia für KI und Cloud

Google kündigte am 4. November 2026 an, 2027 und 2028 insgesamt 15 Milliarden US-Dollar in Malaysia zu investieren. Geplant sind neue Rechenzentrumskomplexe in Selangor und Negeri Sembilan sowie zusätzliche Rechenkapazitäten für lokal entwickelte KI-Anwendungen und eine künftige Google Cloud-Region.
Der Plan baut auf der von Google am 30. Mai 2024 angekündigten Investitionszusage über 2 Milliarden US-Dollar für das erste Rechenzentrum des Unternehmens in Malaysia und eine Google-Cloud-Region im Elmina Business Park auf. Der Campus in Elmina, Selangor, ist inzwischen in Betrieb. Die zusätzlichen Standorte werden Search, Maps und Chrome für Nutzer in Malaysia und im asiatisch-pazifischen Raum unterstützen. Die Rechenkapazitäten in Selangor werden Unternehmenskunden über diese Region zur Verfügung stehen.
Bauarbeiten und Beschäftigungsprognosen
Mehr als 80 malaysische Unternehmen arbeiten mit Google in den Bereichen Bau und Tiefbau, Netzinfrastruktur, Stromversorgungs- und Kühlkomponenten, Logistik, Rechtsdienstleistungen, Catering und Abfallwirtschaft zusammen. Google geht davon aus, dass die Zusammenarbeit mit den Zulieferern über die jahrzehntelange Betriebsdauer der Rechenzentren hinweg fortgesetzt wird.
Für die zweijährige Bauphase prognostiziert Google einen durchschnittlichen jährlichen Beitrag von 1,1 Milliarden US-Dollar zum malaysischen BIP, mehr als 37.000 unterstützte Arbeitsplätze vor Ort pro Jahr und ein durchschnittliches jährliches Arbeitseinkommen von 378 Millionen US-Dollar. Schätzungsweise rund 6.000 dieser Arbeitsplätze entfallen auf das Baugewerbe.
Nach der Inbetriebnahme werden die Anlagen laut Googles Prognose jährlich mehr als 9.000 Arbeitsplätze vor Ort sichern. Die Durchschnittslöhne sollen dabei 45 % über dem nationalen Median liegen. Dazu zählen spezialisierte Stellen direkt an den Standorten, etwa für Rechenzentrumstechniker, Maschinenbauingenieure und Elektroingenieure, Arbeitsplätze bei Zulieferern sowie Beschäftigte lokaler Unternehmen, deren Angebote von den Mitarbeitenden und ihren Familien genutzt werden. In Elmina ist bereits ein vollständiges Team vor Ort tätig. Für die anderen geplanten Standorte läuft die Personalgewinnung für technische Aufgaben und das Gebäudemanagement.
Strom- und Wasserinfrastruktur
Google plant, das nationale Stromnetz Malaysias um mehr als 1 Gigawatt neue Kapazität aus sauberer Energie zu erweitern. Dazu arbeitet das Unternehmen mit Tenaga Nasional Berhad an der Stromerzeugung im Rahmen des Corporate Renewable Energy Supply Scheme. Die Zusammenarbeit soll außerdem Projekte für eine rund um die Uhr verfügbare Versorgung mit sauberer Energie prüfen, um die schwankende Verfügbarkeit von Quellen wie Solarenergie auszugleichen. Google wird den gesamten Strom bezahlen, den seine Rechenzentrumskomplexe in Malaysia verbrauchen, sowie die direkten Infrastrukturkosten für deren Anschluss ans Stromnetz. Für 2027 sind Gemeinschaftsinitiativen geplant, die die Widerstandsfähigkeit des Stromnetzes stärken und die Stromrechnungen privater Haushalte in den Standortstaaten senken sollen.
Google zufolge ermöglichen eigens entwickelte Netzwerkausrüstung, Kühlmittelverteilungseinheiten, Stromverteilungssysteme und Chips für allgemeine und KI-Arbeitslasten den Rechenzentrumskomplexen, in tropischen Klimazonen wie in Malaysia eine Power Usage Effectiveness (PUE) von 1,12 bis 1,14 zu erreichen. Der Branchendurchschnitt liegt bei 1,54. Sobald die einzelnen Standorte vollständig in Betrieb sind, werden für jeden Standort vierteljährliche PUE-Werte veröffentlicht.
Google zufolge ergaben die Untersuchungen der Wassereinzugsgebiete in Selangor und Negeri Sembilan kein hohes Risiko für Wasserknappheit oder eine Erschöpfung der Ressourcen. Das floss in die Entscheidung ein, auf Wasserkühlung zu setzen, die den Energieverbrauch von Rechenzentren gegenüber Luftkühlung um etwa 10 % senken kann. Zu den neuen Maßnahmen zur Wiederauffüllung der Wasserressourcen zählen angelegte Feuchtgebiete, die Renaturierung von Flussufern und die Überwachung der Verschmutzung in den Einzugsgebieten der Flüsse Sungai Buloh und Sungai Selangor. An vier Schulen in Selangor sollen Tanks mit einem Fassungsvermögen von 20.000 Litern und Regenwassernutzungssysteme bei Ausfällen der kommunalen Versorgung mindestens zwei Wochen lang Notwasser für bis zu 2.000 Menschen aus der jeweiligen Gemeinde bereitstellen.
Unabhängig davon kündigte Google am 2. November 2026 Investitionen in Höhe von 160 Millionen US-Dollar an, um am Linggi einen Speicher abseits des Flusslaufs und eine Wasseraufbereitungsanlage in Negeri Sembilan zu errichten. Gamuda Berhad wurde mit dem Bau der Anlagen beauftragt. Nach ihrer Fertigstellung werden sie Eigentum von Menteri Besar Negeri Sembilan (Incorporated), kurz MBINS, sein, der staatlichen Körperschaft, die das Vermögen des Bundesstaats verwaltet. Die Anlage soll täglich 65 Millionen Liter Trinkwasser für Googles geplanten Campus im Springhill Industrial Park in Port Dickson aufbereiten und zugleich die öffentliche Wasserversorgung erweitern. Das Speicherbecken soll überschüssiges Flusswasser und Regenwasser auffangen, um die Hochwassergefahr in den umliegenden Gebieten zu verringern.
Weiterbildung von Fachkräften
Google zufolge sollen vier neue Schulungsprogramme von 2027 bis 2031 rund 800.000 Malaysierinnen und Malaysier weiterqualifizieren. Im ersten Schritt stehen Gemeinden in den Bundesstaaten im Mittelpunkt, in denen sich die Rechenzentrumskomplexe befinden. Experience AI Malaysia arbeitet mit dem Bildungsministerium, dem Penang Science Cluster und der Raspberry Pi Foundation zusammen, um Lehrkräfte für den Unterricht von 11- bis 14-Jährigen zu zertifizieren. Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler durch praktische Aufgaben zur Problemlösung mit KI und zur Bewertung von KI-Ergebnissen lernen.
Jelajah AI MSME startet mit praxisorientierten Schulungen für eine Pilotgruppe von Kleinstunternehmern in Selangor und Negeri Sembilan, bevor das Programm landesweit ausgeweitet wird. AKAD Rakyat vermittelt in 19 Kommunalräten Wissen über KI und deren Einsatz zur Produktivitätssteigerung und ernennt dort jeweils eigene KI-Ansprechpersonen. Ab 2027 sind an ausgewählten Fachhochschulen in beiden Bundesstaaten Data Center Institutes geplant. Sie bieten einen zehnwöchigen Lehrplan und praktische Übungen an einem realen Rechenzentrumssimulator, um Arbeitssuchende mit beruflicher Ausbildung auf Tätigkeiten in der Bereitstellung und im Betrieb vorzubereiten.
Für Malaysia reichen die Auswirkungen über die Standorte selbst hinaus. Der Plan verbindet Googles Kapazitäten für KI und Cloud-Dienste mit zusätzlicher Netzkapazität, öffentlicher Wasserinfrastruktur und technischer Ausbildung. Welchen Nutzen die Investition vor Ort bringt, hängt daher davon ab, ob diese gemeinsam genutzten Systeme parallel zu den Rechenzentren bereitgestellt werden.












