Partnerschaften
Harvey integriert den Schiedsverfahrensagenten von Jus Mundi in juristische Arbeitsabläufe

Harvey kündigte am 4. November 2026 eine Partnerschaft an, in deren Rahmen der Schiedsverfahrensagent Jus AI von Jus Mundi in die Produkte Assistant, Agents, Vault und Workflows integriert wird. Die Integration ist für Teams vorgesehen, die sich mit internationaler Schiedsgerichtsbarkeit und grenzüberschreitenden Streitigkeiten befassen. Bis Ende 2026 soll sie gemeinsamen Kunden weltweit ohne zusätzliche Kosten zur Verfügung stehen.
Recherche direkt in der Fallakte
Die Integration soll spezialisierte Recherchen direkt mit der Fallakte verknüpfen. Nach der Aktivierung könnte ein Anwalt, der die Rechtsposition eines Mandanten prüft, einschlägige Schiedssprüche, die Vertragspraxis und die Regeln der Institutionen heranziehen und die Rechercheergebnisse anschließend anhand der Dokumente im Harvey Vault des Falls überprüfen. Die Fallbearbeitung bleibt in Harvey, und die Ergebnisse lassen sich in ein Memo, einen Schriftsatz oder eine Gliederung für die Zeugenvorbereitung übernehmen. Zu jeder Rechtsquelle führt ein Link zum Quelldokument auf der Plattform von Jus Mundi.
Die Ergebnisse lassen sich im Kontext der Schriftsätze, Beweisstücke und Protokolle des Falls prüfen. Präzise Fundstellen erleichtern es, das zugrunde liegende Material zu überprüfen, bevor eine Antwort einem Schiedsgericht vorgelegt wird. Zu den wiederkehrenden Aufgaben in Streitverfahren, die von der Integration abgedeckt werden, zählen die Vorbereitung eines Antrags auf Einleitung eines Schiedsverfahrens, die Prüfung von Rechtsquellen während der Schriftsatzerstellung, der Vergleich von Beweisstücksammlungen mit Präzedenzfällen und die Ermittlung von Klauseln, die auf inzwischen abgelösten internationalen Regeln beruhen.
Quellen für Schiedsverfahren und Modellkonzeption
Die Quellenbasis von Jus Mundi umfasst Schiedssprüche und Entscheidungen aus Investitions- und Handelssachen, Verträge, Verfahrensmaterialien und Veröffentlichungen. Zu den inhaltlich verknüpften Organisationen zählen die IBA sowie Schiedsinstitutionen wie ICC, AAA-ICDR, LCIA, SIAC, HKIAC, DIAC und der Court of Arbitration for Sport. Zu den weiteren Materialien zählen das ICC Dispute Resolution Bulletin, ICSID Review und Redfern and Hunter on International Arbitration.
Auf der Jus-AI-Produktseite heißt es, dass Jus Mundi Data mehr als 125.000 Falldokumente, Schiedssprüche und führende Veröffentlichungen umfasst, die über mehr als 110 exklusive Partnerschaften mit Institutionen und Verlagen zugänglich sind. Mit der Funktion My Sources lassen sich bis zu 10.000 Dokumente von Nutzern durchsuchen und analysieren. Die Dateien werden in einem privaten Vault geschützt und verschlüsselt.
Jus AI basiert auf Jus AI Tenet V5, einem proprietären großen Sprachmodell, das laut Jus Mundi mit Daten aus den Bereichen Schiedsgerichtsbarkeit und internationales Recht trainiert wurde. Nutzer können zwischen vier Denkmodi wählen – Auto, Light, Think und Deep – und die einzelnen Denkschritte nachvollziehen, Zitate überprüfen und den Links zu den Quellen folgen.
Sicherheit und Einführung
Die Integration wird innerhalb der bestehenden Sicherheits-, Vertraulichkeits- und Datenverwaltungskontrollen von Harvey betrieben. Jus Mundi führt für Jus AI außerdem die Zertifizierungen ISO 27001 und ISO 42001 sowie einen Prüfbericht nach SOC 2 Type II auf. Diese Sicherheitsvorkehrungen sind für einen Arbeitsablauf zentral, der externe Recherche mit vertraulichen Fallunterlagen und privaten Dokumenten von Nutzern verbindet.
Für den Zugriff sind sowohl ein Harvey-Abonnement als auch ein Jus-AI-Tarif erforderlich. Berechtigte Kanzleien müssen die Integration über ihr Kundenbetreuungsteam bei Jus Mundi aktivieren. Die Einführung richtet sich daher an gemeinsame Kunden beider Anbieter und nicht an alle Harvey-Abonnenten.
John Haddock, Chief Business Officer von Harvey, sagte, die Partnerschaft sei eine Antwort auf den Wunsch von Kunden nach fundierter Fachkompetenz innerhalb der Plattform, auf der sie wichtige Fälle bearbeiten. Emmanuel Jacomy, Partner bei A&O Shearman, sagte, die Zusammenführung der Tools eröffne Schiedsteams eine neue Arbeitsweise und verschaffe ihnen mehr Zeit für die Interessenvertretung ihrer Mandanten und strategische Aufgaben.
Für Schiedsteams liegt die entscheidende Veränderung darin, wo die Arbeit stattfindet: Recherche in Quellen, Zitatprüfung und Schriftsatzerstellung sollen im selben Fallkontext erfolgen. Dadurch sollen weniger Übergaben zwischen einer spezialisierten Rechercheplattform und der Fallakte nötig sein.












