KI-Modelle und Plattformen
Google weitet Guided Learning aus und plant KI-Zugang für K-12-Schülerkonten auf Opt-in-Basis

Google gab am 3. November 2026 bekannt, dass Guided Learning weltweit in Google Classroom verfügbar ist und im Laufe des Novembers 2026 an ausgewählten US-Schulen in der Google-Suche erprobt wird. Zugleich plant das Unternehmen, mehrere KI-Produkte für Schülerkonten der Klassenstufen K-12 nur nach ausdrücklicher Freigabe verfügbar zu machen.
Chris Phillips, Googles Vizepräsident und Geschäftsführer für den Bildungsbereich, stellte die Neuerungen anhand eines Gestaltungsprinzips vor, das Google als „produktives Ringen“ bezeichnet: Schülerinnen und Schüler sollen aktiv gefordert werden, ohne sich so überfordert zu fühlen, dass sie aufgeben. Guided Learning wurde am 6. August 2025 erstmals in Gemini eingeführt und setzt auf gezielte, offene Fragen, Erklärungen in einzelnen Schritten sowie multimodale Antworten wie Diagramme, Videos und interaktive Quizze.
So funktioniert Guided Learning in Classroom und der Google-Suche
In Classroom weist eine Lehrkraft die Aktivität zu, und die KI dient als individuelles Lerntool, das auf den Unterrichtsmaterialien aufbaut. Dem Bildungsbericht von Google zufolge kann die Aktivität auf von Lehrkräften hochgeladenen Materialien basieren. Der Fokusmodus hilft den Schülerinnen und Schülern, bei der Sache zu bleiben, und lenkt das Gespräch auf die von der Lehrkraft vorgegebenen Lernziele zurück, wenn sie vom Thema abkommen. Lehrkräfte erhalten in Echtzeit Einblicke auf Klassen- und Einzelebene, einschließlich vollständiger Chatprotokolle, um zu erkennen, wo Schülerinnen und Schüler zusätzliche Unterstützung benötigen. Vor der Einführung testete Google die Classroom-Funktion gemeinsam mit Schulen und Lehrkräften und bezog deren Rückmeldungen ein.
Bei Schülerkonten in der Google-Suche lösen bestimmte Anfragen zur Hausaufgabenhilfe künftig Schritt-für-Schritt-Hinweise statt eines direkten Wegs zur fertigen Antwort aus. Zu den Beispielen von Google gehören eine eingefügte Physikaufgabe und die Bitte um Hilfe beim Verfassen einer Buchbesprechung. Im Rahmen des Pilotprojekts wird zunächst Feedback von Lehrkräften eingeholt, bevor die Funktion in den kommenden Monaten auf weitere Schulbezirke ausgeweitet wird.
KI-Zugang für K-12-Schülerkonten nur mit Genehmigung der Administration
Der Zugriff auf Gemini, Gemini Notebook, Gemini in Classroom und Google Search bleibt für Schülerkonten der Klassenstufen K-12 vollständig deaktiviert, bis eine Schuladministratorin oder ein Schuladministrator jedes Produkt ausdrücklich freischaltet. Die Änderung ist noch nicht vollständig in Kraft: Google wird den Schulen in den kommenden Monaten weitere Einzelheiten mitteilen, bevor die Einstellungen eingeführt werden, damit die Administratorinnen und Administratoren Zeit zur Vorbereitung haben. Der überarbeitete Ansatz folgt auf Rückmeldungen von Schulen, Lehrkräften, Forschenden und politischen Entscheidungsträgern und soll den Schulleitungen die Entscheidung darüber überlassen, wie KI-Produkte im Unterricht eingesetzt werden.
Für die zentralen Workspace for Education-Dienste erklärt Google, dass die Schulen Eigentümer ihrer Daten sind und dass Schülerdaten weder verkauft noch für Werbung oder zum Trainieren generativer KI-Modelle verwendet werden.
Was die Erprobungen im Unterricht zeigen
An einer vorab registrierten randomisierten Studie in Sierra Leone, die von Googles LearnLM-Team und Fab AI durchgeführt wurde, nahmen 1.763 Schülerinnen und Schüler ab 13 Jahren aus 48 Mathematikklassen der Klassenstufen 7 und 8 an 12 staatlich unterstützten Schulen teil. Die Klassen wurden nach dem Zufallsprinzip Guided Learning oder dem regulären Unterricht zugeteilt. Die Lehrkräfte der Guided-Learning-Klassen sollten die Anwendung 12 Stunden lang einsetzen. Die Forschenden berichteten für Mathematik einen Intention-to-treat-Effekt von 0,258 Standardabweichungen und veranschaulichten ihn damit, dass sich ein Schüler mit mittlerem Leistungsstand von der 50. Perzentile zu Beginn auf die 60. Perzentile am Ende verbessert hätte. 69 % der Schülerinnen und Schüler erreichten den vorgegebenen Nutzungsumfang.
Die Lehrkräfte legten Lernziele und Einstiegsfragen fest, teilten die Schülerinnen und Schüler für die Arbeit in Zweiergruppen ein und leiteten Gespräche zur Festigung des Gelernten. Die Forschenden bezeichneten diese von Lehrkräften angeleitete Struktur als wesentlich für die Intervention. Außerdem stellten sie fest, dass Schülerinnen und Schüler mit besseren Mathematikkenntnissen zu Beginn stärker profitierten. Damit bleibt die ausdrückliche Herausforderung bestehen, die Ergebnisse für diejenigen zu verbessern, die mit Rückstand starten.
In einer separaten zehnwöchigen Studie im Vereinigten Königreich mit 1.179 Schülerinnen und Schülern wurde Eedi mit Gemini-gestützter Nachhilfe erprobt. Fachkundige Nachhilfelehrkräfte prüften jede von der KI entworfene Nachricht vor dem Versand. Den Forschenden zufolge genehmigten die Lehrkräfte 94,7 % der 94.385 geprüften Entwürfe unverändert. Die beaufsichtigte KI-Nachhilfe erreichte bei unmittelbaren und mittelfristigen Messgrößen dieselben Ergebnisse wie die Nachhilfe durch Fachkräfte und übertraf die reguläre Förderung deutlich.
Bei der breit angelegten standardisierten Star-Maths-Leistungsbeurteilung zeigte sich ein anderes Bild: Nach der KI-Nachhilfe oder der regulären Förderung erzielten die Schülerinnen und Schüler ähnliche Leistungszuwächse; ein klarer Gesamtvorteil der Nachhilfe war nicht festzustellen. Die Forschenden führten diese Abweichung teilweise darauf zurück, dass die Nachhilfegespräche die Abdeckung des Lehrplans verringerten. Sie erklärten, längere Studien sollten untersuchen, wann unmittelbare Lernfortschritte zu umfassenderen Verbesserungen bei Leistungsbeurteilungen führen.
Die Ausweitung macht die Umsetzung somit ebenso folgenreich wie den Zugang. Das Classroom-Konzept verbindet von Lehrkräften hochgeladene Materialien und vorgegebene Lernziele mit dem Zugriff auf Chatprotokolle, während die bevorstehenden Einstellungen die Aktivierungsentscheidungen den Administratorinnen und Administratoren überlassen. Die Studien zeigten Verbesserungen bei einigen Lernmessgrößen, ließen jedoch Fragen zu den Ergebnissen bei breit angelegten Tests, zur Lehrplanabdeckung und zum Nutzen für leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler offen. Die zentrale offene Frage lautet, ob sich die gemessenen Vorteile auch bei einem breiteren Einsatz an Schulen zeigen, ohne die in der Forschung dokumentierten ungleichen Lernzuwächse und die geringere Lehrplanabdeckung zu wiederholen.












