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Disneys Milliardeninvestition in OpenAI läutet eine neue Ära für die KI-Videogenerierung ein.

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Disneys Investition von einer Milliarde Dollar in OpenAI ist ein klares Signal dafĂĽr, dass die Unterhaltungsindustrie entschieden hat, wie sie mit generativer KI umgehen will: Lizenzen statt Rechtsstreitigkeiten. Partnerschaften mit den Plattformen, die man kontrollieren kann, und Klagen gegen die, die man nicht kontrollieren kann.

Die Vereinbarung am Donnerstag bekanntgegeben bringt mehr als 200 Charaktere von Disney, Marvel, Pixar und Star Wars nach Sora, die Videogenerierungsplattform von OpenAINutzer werden KI-Videos mit Mickey Mouse, Darth Vader, Iron Man und Dutzenden weiterer Charaktere erstellen können, sobald die Integration Anfang 2026 startet. Es ist das erste Mal, dass Disney seine geistigen Eigentumsrechte an eine KI-Plattform lizenziert hat und stellt die bisher bedeutendste Zusammenarbeit zwischen einem Hollywood-Studio und einem KI-Unternehmen dar.

Die eigentliche Bedeutung des Abkommens liegt jedoch in dem, was es etabliert: einen kommerziellen Rahmen dafĂĽr, wie Unterhaltungsrechte in generative KI-Systeme einflieĂźen werden. Und dieser Rahmen hat Auswirkungen, die weit ĂĽber Disney und OpenAI hinausreichen.

Das Lizenzmodell nimmt Gestalt an

Die Vereinbarung zwischen Disney und OpenAI enthält eine entscheidende Einschränkung: OpenAI darf Disneys geistiges Eigentum nicht zum Trainieren seiner Modelle verwenden. Die Vereinbarung umfasst lediglich die Generierung von Charakteren während der Inferenzzeit – die Nutzung der bestehenden Sora-Funktionen zur Erzeugung von Disney-Charakteren auf Abruf, nicht aber die Verbesserung dieser Funktionen durch das Lernen aus Disneys Inhaltsbibliothek.

Diese Unterscheidung ist von enormer Bedeutung. Die derzeit vor Gericht anhängigen Klagen gegen KI-Unternehmen drehen sich um unautorisiertes Training – die Verwendung urheberrechtlich geschützten Materials zum Aufbau von Modellfähigkeiten ohne Genehmigung oder Bezahlung. Indem Disney das Training ausdrücklich verbietet, die Generierung aber erlaubt, zieht das Unternehmen eine Grenze, der andere Studios wahrscheinlich folgen werden.

Diese Struktur deutet auf eine Zukunft hin, in der KI-Plattformen für die Generierungsrechte bezahlen, während das Training entweder verboten bleibt oder separaten, wahrscheinlich teureren Vereinbarungen unterliegt. Für Studios sichert dies ihre Verhandlungsposition: Sie können die KI-Generierung monetarisieren, ohne die Trainingsdaten preiszugeben, die Wettbewerbern helfen würden, bessere Modelle zu entwickeln.

OpenAI hat diese Bedingungen akzeptiert. Denn die Lizenzierung von Charakteren bietet etwas, das Models nicht selbst erlernen können – den offiziellen, rechtlich einwandfreien Zugang zu spezifischem geistigem Eigentum. Sora kann beeindruckende Videos ohne Disney-Charaktere erstellen, aber Mickey Mouse darf ohne Disneys Genehmigung nicht legal generiert werden. Diese Genehmigung kostet mittlerweile eine Milliarde Dollar Eigenkapital zuzüglich nicht genannter Lizenzgebühren.

Bild: OpenAI

Die Zwei-Gang-Strategie

Der Zeitpunkt von Disneys OpenAI-Ankündigung war kein Zufall. Sie erfolgte einen Tag nach Disney hat Google ein Unterlassungsschreiben zugesandt. Am Mittwoch wurde dem Suchmaschinenriesen vorgeworfen, die Urheberrechte von Disney „in großem Umfang“ verletzt zu haben, indem er urheberrechtlich geschützte Werke ohne Genehmigung zum Trainieren von KI-Modellen verwendet habe.

Diese Gegenüberstellung offenbart Disneys Strategie: rechtliche Schritte gegen unautorisiertes KI-Training einleiten und gleichzeitig geistiges Eigentum durch Lizenzpartnerschaften monetarisieren. Indem Disney unter strengen Bedingungen mit OpenAI zusammenarbeitet und Google mit Klagen droht, demonstriert das Unternehmen, dass Kooperation zwar möglich ist, aber nur zu den Bedingungen des Studios.

Die Botschaft an den Rest des Silicon Valley ist klar: Entweder man bringt Schecks und Verträge mit, oder man muss mit Gerichtsverfahren rechnen. Disney setzt darauf, dass KI-Unternehmen sich für Ersteres entscheiden und die daraus resultierenden Lizenzeinnahmen die Umwälzungen, die generative KI in der traditionellen Content-Erstellung mit sich bringt, mehr als ausgleichen werden.

Was das fĂĽr Soras Konkurrenten bedeutet

Der Disney-Deal verändert die Wettbewerbslandschaft im Bereich der KI-Videogenerierung schlagartig. Runways Gen 4.5 könnte technische Bestmarken übertreffen, und Googles Veo 3 Sie bieten möglicherweise eine enge Integration mit YouTube und Google Cloud. Aber keines der beiden kann legal Elsa, Spider-Man oder Baby Yoda generieren.

Dadurch entsteht eine neue Wettbewerbsdimension, in der der Zugriff auf geistiges Eigentum genauso wichtig ist wie die Qualität der Modelle. Nutzer, die zwischen Sora und Runway wählen, werden nicht nur abwägen, welcher Anbieter bessere Videos produziert, sondern auch, welcher Anbieter Videos mit den Charakteren liefert, die sie tatsächlich verwenden möchten. Für eine Generation, die mit Marvel-Filmen und Disney+-Originalen aufgewachsen ist, ist das ein entscheidendes Unterscheidungsmerkmal.

Der Deal erhöht zudem die Markteintrittsbarrieren für neue KI-Videoplattformen. Der Wettbewerb über die Modellqualität ist schon schwierig genug; die Kombination aus Modellqualität und Lizenzvereinbarungen mit großen Studios könnte sich für Startups ohne beträchtliches Kapital und Glaubwürdigkeit als unmöglich erweisen.

Es ist zu erwarten, dass andere Studios Disneys Ergebnisse genau beobachten werden. Sollte die Partnerschaft mit OpenAI nennenswerte Umsätze generieren, ohne Disneys Kerngeschäft zu beeinträchtigen, werden Warner Bros., Universal und Paramount unter Druck geraten, ähnliche Vereinbarungen zu treffen. Die Alternative – Disney bei der Monetarisierung von KI-Videos zuzusehen, während sie selbst tatenlos zusehen – könnte sich als untragbar erweisen.

Die Verbraucherfrage

Disney setzt darauf, dass Konsumenten Inhalte mit beliebten Charakteren erstellen möchten. Angesichts der Popularität von Fan-Art, Fan-Fiction und inoffiziellen Mashup-Videos, die seit Jahrzehnten online kursieren, ist das eine nachvollziehbare Annahme. Generative KI senkt die Hürde für die Erstellung solcher Inhalte.

Der Deal wirft aber auch Fragen auf, was „Kreation“ bedeutet, wenn die kreativen Beiträge fremde Charaktere sind. Ein Video, in dem Iron Man zu einem Lieblingslied tanzt, ist zwar technisch gesehen nutzergeneriert, aber wie viel kreative Ausdruckskraft steckt tatsächlich darin? Und sind Nutzer bereit, hohe Preise für den Zugriff auf Disney-Charaktere zu zahlen, wenn sie eigene Inhalte günstiger erstellen können?

Die Einbindung nutzergenerierter Sora-Videos auf Disney+ deutet darauf hin, dass das Unternehmen Potenzial für eine neue Inhaltskategorie sieht – eine Mischung aus professioneller Produktion und reiner Nutzerkreation. Sollten überzeugende Videos auf der Plattform entstehen, erhält Disney kostenlose Inhalte für seinen Streaming-Dienst. Andernfalls sind die Kosten des Experiments im Vergleich zu traditionellen Produktionsmethoden relativ gering.

Das Leitplankenproblem

Sam Altman bestätigte, dass Richtlinien für die Darstellung von Disney-Figuren in nutzergenerierten Inhalten gelten werden, doch beide Unternehmen gingen nicht näher darauf ein, wie diese Richtlinien aussehen werden. An diesem Punkt wird die Vereinbarung kompliziert.

Disneys Marke hängt davon ab, die Darstellung ihrer Charaktere zu kontrollieren. Würde Mickey Mouse in gewalttätigen, sexuellen oder politisch brisanten Kontexten auftreten, würde dies den Markenwert, der über ein Jahrhundert aufgebaut wurde, erheblich schädigen. Doch generative KI ist bekanntermaßen schwer zu kontrollieren – Nutzer haben immer wieder Wege gefunden, die Inhaltsbeschränkungen aller großen KI-Plattformen zu umgehen.

Die technische Herausforderung, Missbrauch zu verhindern und gleichzeitig legitime Kreativität zu ermöglichen, wird beide Unternehmen auf die Probe stellen. Sind die Rahmenbedingungen zu restriktiv, werden die Nutzer die Funktion als nutzlos empfinden. Sind sie zu freizügig, riskiert Disney einen Imageschaden, den keine Lizenzgebühr ausgleichen kann. Der Start Anfang 2026 gibt beiden Unternehmen Zeit, diese Systeme zu entwickeln, doch das Problem ist in der Tat komplex.

Ăśber das Video hinaus: Die weiterreichenden Implikationen

Die Vereinbarung zwischen Disney und OpenAI legt Grundsätze fest, die voraussichtlich über die Videogenerierung hinausgehen werden. Wenn Disney Charaktere für KI-Videos lizenzieren kann, kann das Unternehmen sie auch für KI-Bildgenerierung, KI-Spieleentwicklung, interaktive KI-Erlebnisse und noch nicht erfundene Anwendungen lizenzieren.

Die dreijährige Laufzeit der Vereinbarung deutet darauf hin, dass beide Parteien diese eher als Ausgangspunkt denn als endgültige Regelung betrachten. Bei Erfolg der Partnerschaft ist mit einer Ausweitung auf weitere Produkte und einer tieferen Integration zu rechnen. Scheitert sie hingegen, werden andere Studios aus Disneys Fehlern lernen.

Disney wird ChatGPT Enterprise zudem unternehmensweit einsetzen und die OpenAI-Technologie zur Entwicklung neuer Produkte nutzen. Diese Partnerschaft könnte sich als wertvoller erweisen als die kundenorientierte Lizenzierung von Charakteren – sie verschafft Disney frühzeitigen Zugang zu KI-Funktionen, die Animation, visuelle Effekte und die Content-Produktion revolutionieren könnten.

Die 500-Milliarden-Dollar-Frage

Disneys Investition von 1 Milliarde Dollar bringt einen weiteren bedeutenden Unternehmensinvestor in die Kapitalstruktur von OpenAI, neben Microsofts milliardenschwerer Zusage. OpenAIs Bewertung von 500 Milliarden DollarDisneys Beteiligung stellt zwar eine bescheidene Position dar, doch die strategische Beziehung ist wichtiger als das finanzielle Risiko.

Für OpenAI verschafft Disney Legitimität in der Unterhaltungsbranche und ein Modell für zukünftige Studiopartnerschaften. Für Disney wiederum ermöglicht OpenAI, bei der Umgestaltung der Medien durch KI mitzubestimmen – und bietet Schutz vor disruptiven Entwicklungen durch eine Technologie, die das Unternehmen nicht kontrollieren kann.

„Das ist eine gute Investition für das Unternehmen.“ Disney-Chef Bob Iger sagte gegenüber CNBC:Er bezeichnete die Partnerschaft als „Einstiegsmöglichkeit“ in die KI-Technologie, die Disney dabei helfen werde, ein jüngeres Publikum zu erreichen, das zunehmend mit KI-generierten Inhalten vertraut sei.

Ob sich diese Wette auszahlt, hängt von Fragen ab, die beide Unternehmen noch nicht beantworten können. Werden die Verbraucher KI-generierte Inhalte mit lizenzierten Charakteren annehmen? Werden die Schutzmechanismen greifen? Werden konkurrierende Plattformen eigene Studioverträge abschließen? Wird generative KI Disneys kreative Fähigkeiten erweitern oder sie zu Massenware machen?

Die Unterhaltungsindustrie hat die letzten zwei Jahre damit verbracht, über den Umgang mit generativer KI zu diskutieren. Disney hat nun seine Antwort geliefert: die Technologie nutzen, die Bedingungen bestimmen und dafür sorgen, dass man die Einnahmen kassiert, anstatt Unterlassungserklärungen zu schreiben. Der Rest Hollywoods beobachtet gespannt, ob diese Strategie aufgeht.

Alex McFarland ist ein KI-Journalist und Autor, der sich mit den neuesten Entwicklungen in der künstlichen Intelligenz beschäftigt. Er hat mit zahlreichen KI-Startups und Publikationen weltweit zusammengearbeitet.