Vordenker

KI beschleunigt die Softwareentwicklung. Industrielle Software erfordert weiterhin Fachwissen im Ingenieurwesen.

mm
Unite.AI zu deinen bevorzugten Quellen auf Google hinzufügen

KI verändert die Softwareentwicklung

Vor ein paar Wochen bat ich ein generatives KI‑Tool, eine Online‑Version eines japanischen Kartenspiels zu erstellen, das mein Vater einst besaß. Etwa zehn Minuten später war eine funktionierende Web‑Anwendung fertig.

Das Ergebnis war sowohl beeindruckend als auch augenöffnend. Mit wenigen Eingaben wurde funktionaler Code erzeugt, die Benutzeroberfläche gebaut und eine funktionierende Anwendung erstellt. Noch vor kurzer Zeit hätte die Erstellung derselben Anwendung deutlich mehr ingenieurtechnischen Aufwand erfordert.

Erfahrungen wie diese zeigen, wie tiefgreifend KI die Softwareentwicklung verändert. Entwickler können jetzt Code generieren, Anwendungen bauen, Arbeitsabläufe automatisieren und die Entwicklung in einer Weise beschleunigen, die noch vor wenigen Jahren undenkbar war. Immer häufiger geht KI über die reine Codegenerierung hinaus und unterstützt agentenbasierte Workflows, die Änderungen vorschlagen, Tests ausführen und größere Teile des Entwicklungsprozesses automatisieren.

Als Product Management Director für GENESIS bei Mitsubishi Electric Iconics Digital Solutions richteten sich meine Gedanken sofort von einer einfachen Web‑Anwendung hin zu industrieller Automatisierungssoftware. Wenn KI in zehn Minuten eine funktionierende Anwendung erstellen kann, was passiert, wenn dieselben Fähigkeiten auf Human‑Machine‑Interface (HMI), Supervisory Control and Data Acquisition (SCADA), Visualisierung, Reporting und andere industrielle Anwendungen angewendet werden?

Die Beantwortung dieser Frage offenbarte eine wichtige Unterscheidung. KI macht die Softwareentwicklung deutlich schneller. Industrielle Software bringt ingenieurtechnische Herausforderungen mit sich, die weit über die reine Generierung einer Anwendung hinausgehen.

Ja, KI verändert, wie industrielle Software entwickelt wird, doch fachliche Expertise bleibt unerlässlich, um sicherzustellen, dass industrielle Software während ihrer gesamten Lebensdauer zuverlässig funktioniert.

Industrielle Software erfordert mehr als funktionierenden Code

Jeder, der Zugang zu den heutigen KI‑Tools hat, kann in wenigen Minuten eine funktionierende Anwendung erzeugen. Der Aufbau einer Website, eines Dashboards oder einer einfachen Visualisierung erfordert nicht mehr umfangreiche Programmiererfahrung.

Industrielle Software erfordert deutlich mehr als funktionierenden Code.

Denken Sie an eine Fertigungsanlage, die bereits eine industrielle Konnektivitätsplattform wie Kepware nutzt, um Betriebsdaten vom Werksboden zu sammeln. KI könnte schnell eine Web‑Anwendung, ein Dashboard, einen Bericht oder einen Konfigurations‑Workflow erzeugen, um diese Daten darzustellen. Das Dashboard funktioniert, die Informationen sind sichtbar, und die Anwendung demonstriert das Konzept.

Doch der operative Erfolg hängt von weit mehr als einer gelungenen Demonstration ab. Industrielle Software muss sich in bestehende Automatisierungssysteme integrieren, unter realen Bedingungen zuverlässig arbeiten und langfristig kritische Betriebsabläufe unterstützen, lange nach der Bereitstellung.

Die Erstellung der ersten Version einer Anwendung wird zunehmend unkomplizierter. Die Bereitstellung industrieller Software, die Unternehmen mit Zuversicht einsetzen können, bleibt jedoch eine grundlegend andere ingenieurtechnische Herausforderung, die Fachwissen in industriellen Architekturen, Cybersicherheit, Zuverlässigkeit, Validierung, Beobachtbarkeit und langfristiger Betriebsleistung erfordert.

Fachliche Expertise macht den Unterschied

Erfahrene Ingenieure verstehen die betrieblichen Anforderungen hinter industriellen Anwendungen, die zu stellenden Fragen und die Risiken, die vor der Bereitstellung der Software berücksichtigt werden müssen.

Cybersicherheitslücken, Software‑Komponenten, industrielle Architekturen, regulatorische Überlegungen und langfristige Wartbarkeit werden ebenfalls Teil des Ingenieurprozesses. KI‑generierte Anwendungen können zudem Abhängigkeiten, APIs, Zugangsdaten, Datenflüsse oder Konfigurationsannahmen einführen, die vor der Bereitstellung geprüft werden müssen. Funktionierender Code zeigt, was eine Anwendung leisten kann. Fachliche Expertise entscheidet, ob Unternehmen diese Anwendung mit Zuversicht einsetzen können.

Industrielle Anwendungen auf bewährten Plattformen aufbauen

Fachliche Expertise ist unverzichtbar, doch erfahrene Ingenieure bauen industrielle Software selten von Grund auf neu. Moderne industrielle Anwendungen basieren auf bewährten Softwareplattformen, die über Jahre realer Einsätze hinweg entwickelt, getestet und verfeinert wurden.

KI kann schnell eine Web‑Anwendung auf einer industriellen Konnektivitätsplattform erzeugen und damit die Entwicklungszeit drastisch verkürzen. Diese Anwendung stellt jedoch nur eine Ebene der Gesamtlösung dar.

Dieses Prinzip bleibt auch dann gültig, wenn KI tiefer in die industrielle Automatisierung vordringt. Spezialentwickelte Engineering‑Agenten können nun SPS‑Logik (Programmable Logic Controller), HMI‑Bildschirme und weitere Komponenten industrieller Anwendungen erzeugen, während große Softwareanbieter generative KI direkt einbetten in industrielle Plattformen einbetten.

Diese Fähigkeiten sind beeindruckend, doch sie verdeutlichen eine wichtige Frage: Wer validiert das Ergebnis, wer besitzt den Lebenszyklus und wer ist verantwortlich, wenn Software einen realen industriellen Prozess steuert? Schnellere Generierung ist nicht gleichbedeutend mit Software, die Unternehmen mit Zuversicht einsetzen und über Jahre hinweg unterstützen können.

Bewährte industrielle Softwareplattformen bieten bereits Funktionen wie validierte Architekturen, Redundanz, Cybersicherheits‑Schutzmaßnahmen und Lebenszyklus‑Services, sodass Ingenieure sich darauf konzentrieren können, industrielle Probleme zu lösen, anstatt bewährte Funktionen neu zu entwickeln.

Bewährte Softwareplattformen stellen zudem etablierte Sicherheitsmodelle, Update‑Pfade, Governance und langfristigen Support bereit, die ad‑hoc‑generierte Anwendungen von Anfang an selten besitzen.

Lebenszyklusmanagement geht über die Bereitstellung hinaus

Die Bereitstellung industrieller Software markiert den Beginn des Ingenieurprozesses, nicht das Ende. Stellen Sie sich einen Anlagenleiter vor, der einen Betriebsbericht anfordert. KI erzeugt den Bericht in Minuten, die Anwendung funktioniert wie erwartet, und alle sind mit dem Ergebnis zufrieden. Dann sagt der Anlagenleiter: „Ich möchte diesen Bericht jeden Tag.“

Ein einmaliger Bericht hat sich nun zu einer operativen Software entwickelt, auf die die Mitarbeiter für ihre Arbeit angewiesen sind. Softwareplattformen entwickeln sich weiter, betriebliche Anforderungen ändern sich und neue Cybersicherheitslücken tauchen auf. Kontinuierliche Ingenieurarbeit wird notwendig, um Updates zu validieren, Kompatibilität zu wahren, Sicherheitspatches anzuwenden und über die Zeit einen zuverlässigen Betrieb sicherzustellen.

Die Erstellung der ersten Version einer Anwendung kann jetzt nur noch wenige Minuten dauern. Die Wartung dieser Anwendung über ihre gesamte Lebensdauer bleibt jedoch eine fortlaufende ingenieurtechnische Verantwortung. Langfristige Zuverlässigkeit hängt von Governance, Lebenszyklusmanagement und kontinuierlicher Unterstützung ab, nicht nur vom bloßen Generieren von Code.

Warum die Wahl der richtigen Industrie‑Software wichtig ist

Erfahrene Anbieter industrieller Software bieten weit mehr als reine Anwendungsfunktionalität. Fachliche Expertise, Produktvalidierung, Wissen über Cybersicherheit, kontinuierliche Software‑Updates und langfristiger Lebenszyklus‑Support tragen dazu bei, dass Unternehmen sich in mission‑kritischen Umgebungen auf die Software verlassen können.

Unternehmen, die industrielle Software evaluieren, sollten über Demo‑Versionen und die heutige Funktionalität hinausblicken. Der langfristige betriebliche Erfolg hängt davon ab, die richtigen Fragen zu stellen, bevor die Software eingesetzt wird. Wer wird die Software während ihrer gesamten Lebensdauer warten, sichern, validieren und weiterentwickeln? Die Entscheidung betrifft nicht nur die Geschwindigkeit neuer Features, sondern auch, ob die Software gesichert, verwaltet, aktualisiert, auditiert und über die Zeit unterstützt werden kann.

Abschließende Gedanken

Die Erstellung einer Online‑Version des japanischen Kartenspiels meines Vaters in zehn Minuten hat meine Erwartungen an die Softwareentwicklung verändert. KI reduziert die für die Softwareerstellung benötigte Zeit drastisch, und diese Fähigkeiten werden die industrielle Automatisierung weiter umgestalten.

Geschwindigkeit allein bestimmt nicht, ob industrielle Software für mission‑kritische Einsätze bereit ist. Unternehmen sollten über die reine Entwicklungszeit hinausblicken und berücksichtigen, wer die Software erstellt, wie sie entwickelt wird und wer sie während ihrer gesamten Lebensdauer unterstützt.

In der industriellen Automatisierung sind dies die Fragen, die entscheiden, ob Software zu einer nützlichen Demonstration oder zu einem verlässlichen Betriebssystem wird.

Mark ist ein erfahrener Produktmanagement-Executive mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung, der Innovation und Wachstum in der industriellen Automatisierung, Gebäudeautomation und digitalen Plattformen vorantreibt.

Derzeit Leiter Produktmanagement bei Mitsubishi Electric Iconics Digital Solutions, führt er strategische Initiativen, die komplexe Technologien in skalierbare, kundenorientierte Lösungen verwandeln.