Robotik und physische KI
KIST-Forscher Lee Jong-Won erhält den Korea Science Award für den humanoiden Roboter KAPEX

Das südkoreanische Ministerium für Wissenschaft und IKT und die Nationale Forschungsstiftung Koreas kürten Lee Jong-won vom Korea Institute of Science and Technology am 4. November 2026 zum Preisträger des Korea Science and Technology Award für den Monat November. Ausgezeichnet wurde er für die Entwicklung von KAPEX, einem KI-gesteuerten humanoiden Roboter, der auf im Inland entwickelten Schlüsseltechnologien basiert.
Mit der monatlichen Auszeichnung werden die herausragenden Leistungen eines Forschers in den vorangegangenen drei Jahren gewürdigt. Sie umfasst eine Anerkennungsurkunde des stellvertretenden Ministerpräsidenten und 10 Millionen Won. In der Begründung wird Lees Beitrag zur Unabhängigkeit Südkoreas in der Robotertechnologie und zu deren Industrialisierung hervorgehoben. Damit würdigt die Auszeichnung sowohl die Konstruktion des humanoiden Roboters als auch den Schritt hin zu seiner kommerziellen Entwicklung.
Hardware und KI-Steuerung von KAPEX
Nach Angaben des Ministeriums vereint KAPEX im Inland entwickelte Aktuatoren, Skelett- und Gelenkmechanismen, Sensoren und KI. Sein kompakter Aktuator liefert ein Drehmoment von bis zu 300 Newtonmetern und passt zugleich in ein Gelenk von menschlicher Größe. Eine Beinstruktur mit sieben Freiheitsgraden steuert die Bewegungen von Zehen und Knöcheln präzise. Dadurch kann der Roboter beim Gehen mit Lasten von mehr als 20 Kilogramm das Gleichgewicht halten.
Das Ministerium erklärt, dass die integrierte Optimierung der Aktuatoren, Gelenke und des Steuerungssystems die Energieeffizienz des gesamten Körpers gegenüber dem früheren System des Teams mehr als verdoppelt habe. Dieser Fortschritt markiere den Schritt von Bewegungsdemonstrationen hin zum Einsatz in industriellen Umgebungen.
Lee beschreibt Fingerspitzen, die sowohl Berührungen als auch die ausgeübte Kraft erfassen. So kann der Roboter seinen Griff an unterschiedliche Gegenstände anpassen, etwa an Pappbecher oder schwerere Kartons. Die KI kombiniert visuelle, taktile und gesprochene Eingaben, um zu entscheiden, wie sie den Körper und die Hände bewegen soll. Das Gehen wird durch wiederholtes Üben in einer Simulation erlernt. Eine vorausschauende Steuerung nimmt die nächste Bewegung des Körpers vorweg, um das Gleichgewicht zu halten. Das System erkennt außerdem Kollisionskräfte und zieht sich behutsam zurück, wenn es in der Nähe von Menschen arbeitet.
Lokalisierung und industrieller Technologietransfer
Lee zufolge liegt der Lokalisierungsgrad bei zentralen Komponenten wie Aktuatoren, Händen und Sensoren bei über 90 Prozent. Technologische Unabhängigkeit bedeutet für ihn mehr als die Beschaffung von Bauteilen im Inland: Dazu gehören auch die Entwicklung von Komponenten, ihre Integration in einen gemeinsamen Körper sowie die inländische Entwicklung der physischen KI und ihrer Trainingsdaten. Dieser Ansatz würde koreanischen Unternehmen ermöglichen, die Technologie herzustellen, zu reparieren und weiterzuentwickeln, ohne wichtige Änderungen ausländischen Zulieferern überlassen zu müssen.
KIST übertrug im September 2025 wichtige KAPEX-Technologien an LG Electronics. Im daraus entstandenen Konsortium ist LG Electronics für die Roboterplattform zuständig, LG AI Research für die physische KI, LG Energy Solution für Festkörperbatterien und Robostar für die Massenproduktion. Auch WIRobotics, Seoul National University, KAIST, Korea University, Kyung Hee University und Hallym University Sacred Heart Hospital beteiligen sich. So werden Forschung, Komponenten, Fertigung und Validierung unter realen Bedingungen miteinander verknüpft.
Prüfung der kommerziellen Einsatzmöglichkeiten
Das Reallabor des Teams bildet eine Küche und ein Wohnzimmer nach. Dort übt KAPEX, Küchenutensilien zu greifen, Gemüse zu schneiden und bei Haushaltsarbeiten mit anderen Robotern zusammenzuarbeiten. In Krankenhäusern und öffentlichen Einrichtungen sind längere Erprobungen geplant. Dort sollen humanoide Roboter über einen längeren Zeitraum bei alltäglichen Aufgaben unterstützen.
Lee nennt lang andauernde autonome Entscheidungsfindung, die Manipulation mit dem ganzen Körper, Akkulaufzeit, Haltbarkeit, Sicherheit und Kosten als noch ungelöste Anforderungen. Bei der taktilen Manipulation ist der Roboter noch weit von der Leistungsfähigkeit einer menschlichen Hand entfernt. Für Lee muss ein Roboter mehrere Monate lang an einem echten Arbeitsplatz nützliche Arbeit leisten können, ohne ferngesteuert oder beaufsichtigt zu werden. Außerdem müssen Kunden ihn für wertvoll genug halten, um ihn weiterhin einzusetzen.
Die Auszeichnung würdigt somit zugleich ein Entwicklungsprogramm und den Übergang in die Industrie. KAPEX vereint im Inland entwickelte Hardware und KI-Steuerung, während das Konsortium die Zuständigkeiten für Produktion und Validierung verteilt. Die geplanten Erprobungen in Krankenhäusern und öffentlichen Einrichtungen sollen die zentrale Frage klären: Kann die integrierte Plattform Lees Maßstab für einen dauerhaften, autonomen Einsatz erfüllen, den Kunden fortsetzen möchten?












