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Das Fusions- und Übernahmehandbuch ist gescheitert: Warum europäische professionelle Dienstleistungsunternehmen eine KI-gestützte Konsolidierung benötigen

Seit Jahren Fusionen und Übernahmen prägten das Wachstum im europäischen DienstleistungssektorDie Formel war universell: akquirieren, konsolidieren, wiederholen. Dieses Muster galt für Architektur-, Wirtschaftsprüfungs-, Beratungs- und Anwaltskanzleien – für jede Branche. Private-Equity-Fonds perfektionierten diese Buy-and-Build-Strategie, indem sie Unternehmen aufkauften, um Skaleneffekte zu erzielen. Es funktionierte gut genug – bis jetzt.
Die traditionellen Strategien stoßen an ihre Grenzen. Der Markt ist so weit gereift, dass herkömmliche M&A-Strategien immer weniger Rendite abwerfen. Die großen Akteure sind bereits beträchtlich, und eine weitere Akquisition steigert den Gesamtwert nicht mehr so stark wie früher.
Konsolidierungs-Sackgasse: Mittelgroße Ziele rar
Die Mathematik der Konsolidierung hat sich verändert. Mittelständische Unternehmen, die den Umsatz steigern könnten, sind schlichtweg nicht in ausreichender Zahl verfügbar. Der Markt ist zwar weiterhin stark fragmentiert, doch konzentriert sich diese Fragmentierung auf die unteren Segmente. Die Übernahme kleinerer Betriebe einzeln erhöht die Komplexität, ohne einen entsprechenden Mehrwert zu schaffen.
Qualität vor Quantität: Der Technologievorteil
Die nächste Phase des Marktwachstums wird nicht von der Anzahl der Akquisitionen abhängen, sondern davon, welche Akquisitionen getätigt werden und wie diese genutzt werden. Hier setzt die künstliche Intelligenz (KI) an und verändert die Spielregeln grundlegend.
KI ermöglicht etwas, was Konsolidierungen im Private-Equity-Stil nicht können: radikale Wertschöpfung durch Effizienzsteigerungen bei gleichbleibender Anlagenbasis. Sie arbeiten schneller, intelligenter und – vor allem – anders.
Die traditionelle Konsolidierung lässt Ihr Unternehmen durch Vermögensaufbau wachsen. Punkt. Die KI-gestützte Konsolidierung lässt Ihr Unternehmen durch Vermögensaufbau UND durch den Multiplikatoreffekt der Technologie wachsen. Sie sind nicht nur größer. Sie sind besser.
Man sollte bedenken, worauf Private-Equity-orientierte Roll-ups tatsächlich abzielen: Skaleneffekte und kurzfristige operative Gewinne. Das Modell ist darauf ausgelegt, die Unternehmensbewertung durch Konsolidierung und schnelle Erfolge zu steigern, nicht aber die langfristigen Gewinnmargen zu maximieren. AI-orientierte Roll-ups hingegen verbessern sowohl die Effizienz als auch die Rentabilität gleichzeitig.
Folgen Sie dem Geld
Das Beste an KI ist, dass sie ein Werkzeug ist, um das Leben der Menschen zu verbessern – und damit auch Geld zu verdienen. Keine Branche kann das ignorieren. Beispielsweise ermöglicht die KI-Integration im britischen Vermietungssektor (wo Dwelly tätig ist) einen optimierten Service und verbessert die Abläufe im gesamten Immobilienverwaltungszyklus, von der Mietersuche bis zum Mieteinzug. KI reduziert die Reibungsverluste zwischen Vermieter, Mieter, Makler und externen Dienstleistern und führt so zu besseren finanziellen Ergebnissen für alle Beteiligten.
Das Prinzip ist universell. In jedem professionellen Dienstleistungssektor und auf jedem Markt, in dem KI operative Verbesserungen ermöglicht, wird derselbe Effekt sichtbar sein. Die wichtigste Kennzahl bleibt unverändert: höhere Umsätze und bessere Gewinnmargen.
Warum Private-Equity-Fonds mit diesem Übergang zu kämpfen haben
Man könnte sich fragen: Wenn KI-gestützte Verbesserungen so wirkungsvoll sind, warum setzen Private-Equity-Fonds diese Technologie nicht schon längst überall ein?
Die Antwort liegt in ihrer DNA. Private-Equity-Firmen sind darauf ausgelegt, durch reines Skalenwachstum zu wachsen. Sie kaufen, konsolidieren, schaffen operative Effizienz und steigen aus. Das ist das Modell, und es hat sich jahrzehntelang bewährt.
Wofür sie nicht geschaffen sind, ist interne Transformation. KI-gestützte Sanierung und Produktentwicklung erfordern andere Kompetenzen und bergen ungewohnte Risiken, insbesondere im Hinblick auf die Neugestaltung von Nutzererlebnissen. Für Private-Equity-Gesellschaften ist dies nicht unmöglich – sie können durchaus von KI-gestütztem Wachstum profitieren und zusätzlich zu ihren üblichen Renditen von 3 % technologische Gewinne erzielen. Doch es ist nicht ihr natürliches Terrain.
Ein neues Risiko-Rendite-Profil
Das Risikoprofil ist tatsächlich günstiger als bei traditionellen Venture-Capital-Investitionen. Früher war der schlimmste Fall für einen Investmentfonds der Totalverlust – das Startup scheiterte und das Kapital war weg. Heute? Man besitzt immer noch ein funktionierendes, reales Anlagegut, das Umsätze generiert. Das Abwärtsrisiko ist deutlich geringer.
Das Aufwärtspotenzial bleibt jedoch durch eine grundlegende Veränderung der Risiko-Rendite-Dynamik geschützt. Traditionelle Fonds, die von Technologie profitieren wollen, stehen vor der Wahl zwischen spektakulärem Erfolg oder Totalverlust. Bei KI-Rollups investieren Sie in etablierte, reale Unternehmen mit bestehenden Umsätzen und Geschäftstätigkeiten. Das Worst-Case-Szenario ist nicht mehr null – Sie besitzen weiterhin funktionierende Vermögenswerte. Das Wachstumspotenzial entspricht dem von Technologie-Startups, da KI dieselbe Skalierbarkeit und exponentielle Effizienzsteigerung ermöglicht wie reine Softwareunternehmen. Sie erhalten einen Abwärtsschutz auf Private-Equity-Niveau mit dem Aufwärtspotenzial von Venture Capital – und das hebt das gesamte Investmentgeschäft auf ein neues Niveau.
Was kommt als nächstes
Der europäische Markt steht an einem Wendepunkt. Traditionelle Konsolidierungsstrategien stoßen an strukturelle Grenzen. KI-gestützte Transformation bietet einen vielversprechenden Weg in die Zukunft, erfordert aber ein Umdenken und andere Kompetenzen.
Noch ein wichtiger Punkt: Es ist deutlich einfacher, ein KI-natives Unternehmen von Grund auf aufzubauen und durch strategische Fusionen und Übernahmen zu skalieren, als eine etablierte Organisation von innen heraus zu transformieren. Die kulturellen und technischen Altlasten etablierter Unternehmen verlangsamen interne Transformationen quälend.
Die Gewinner im nächsten Zyklus werden nicht die Unternehmen sein, die die meisten Transaktionen abschließen und die meisten Akquisitionen und Konsolidierungen durchführen. Sie werden diejenigen sein, die die richtigen Transaktionen mit der richtigen Technologieintegration realisieren. Größe ohne Intelligenz bedeutet lediglich Größe. Intelligenz in Verbindung mit strategischer Größe schafft Wettbewerbsvorteile.
Der Markt wird das irgendwann herausfinden. Die einzige Frage ist: Wer findet es zuerst heraus?












